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Lesezeit:
7 Minuten
Veröffentlichungsdatum
29.04.2026
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Posttraumatische Belastungsstörung – wenn die Angst kein Ende findet
Gut zu wissen

Posttraumatische Belastungsstörung – wenn die Angst kein Ende findet

Posttraumatische Belastungsstörung – wenn die Angst kein Ende findet

Traumata zu verarbeiten ist ohnehin nicht leicht, die Folgen können gravierend sein. Gerade Diagnosen wie die posttraumatische Belastungsstörung werden allerdings besonders oft missverstanden.



Manchmal reicht schon ein einzelnes Ereignis aus, um Menschen noch lange danach stark zu belasten. Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) handelt es sich um eine Reaktion auf ein solches Erlebnis, das das Leben der Betroffenen nachhaltig aus dem Gleichgewicht bringen kann. Woher genau ein solches Trauma stammt, ist von Fall zu Fall unterschiedlich: Die Auslöser können von Misshandlung, über Krieg bis hin zu schweren Gesundheitsproblemen oder einem Unfall reichen. Gerade weil die PTBS und die dazugehörigen Traumata so diverse Ursprünge haben können, wird die Krankheit oft missverstanden. Von außen kann das Erlebte als viel weniger schwerwiegend angesehen werden, als es sich für die Betroffenen selbst angefühlt hat oder noch immer anfühlt. Daher wollen wir aufklären: Woher kommt eine PTBS? Und wie “schlimm” muss ein Trauma sein, um sie auszulösen?


Was ist eine PTBS?

Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine psychische Erkrankung, die nach dem Erleben oder Miterleben eines extrem belastenden Ereignisses auftreten kann. Ob sich daraus eine PTBS entwickelt, hängt von verschiedenen individuellen und situativen Faktoren ab.


Generell lassen sich die folgenden Symptomatiken aber bei den meisten Patient:innen beobachten:





Woher kommt eine PTBS?

Es gibt kein singuläres Ereignis, das garantiert zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen muss. Generell wird die PTBS durch ein einmaliges oder auch durch ein immer wiederkehrendes traumatisches Erlebnis ausgelöst.


Zu den traumatischen Ereignissen, die eine PTBS auslösen können gehören unter anderem:



Hier ist wichtig zu erwähnen, dass die Betroffenen der PTBS nicht alles am eigenen Leibe erlebt haben müssen. So kann es beispielsweise für ein Elternteil ebenso traumatisch sein, wenn bei der OP am eigenen Kind etwas schief läuft. Oder bei schweren Verkehrsunfällen, bei denen die Ersthelfer:innen vom Anblick der Opfer traumatisiert werden. 


Die genaue Herleitung, woher eine PTBS kommt, ist also nicht immer einfach. Von außen ist es manchmal nur schwer nachzuvollziehen, wieso ein spezifisches Ereignis bei den betroffenen Personen eine derart starke Reaktion auslöst. Allerdings wissen nur wenige Menschen, wie man nach den Auslösern nachhakt, ohne persönliche Grenzen zu überschreiten. Außerdem kann Unverständnis bei Patient:innen eine zusätzliche Belastung darstellen und in manchen Fällen auch retraumatisierend sein.


Führt jedes Trauma zwangsweise zur PTBS?

Viele Menschen, die nicht selbst von PTBS sind, stellen sich oft eine spezifische Frage: Führt jedes Trauma zu einer Belastungsstörung? Wie “schlimm” muss ein Trauma dafür sein? Diese Frage ist nicht sehr sensibel gestellt, daher möchte man Betroffene auch nicht unbedingt mit ihr belasten – obwohl sie gerechtfertigt ist. 


Viele Menschen erleben traumatische Dinge, ohne im Nachgang unter einer PTBS zu leiden. Aber woran liegt das? Zum einen könnte die Antwort in den Vorerkrankungen der Patient:innen liegen: Menschen mit bestehenden psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen können ein erhöhtes Risiko haben, nach einem traumatischen Ereignis eine PTBS zu entwickeln. Dies kann mit einer bereits bestehenden psychischen Belastung und veränderten Bewältigungsmechanismen zusammenhängen, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich.


Generell lässt sich aber sagen, dass die Intensität und die Häufigkeit nicht zu unterschätzen sind, wenn es um eine mögliche Belastungsstörung geht. Sowohl ein einmaliges Ereignis mit besonders hoher Intensität als auch ein wiederkehrendes Ereignis mit vergleichsweise niedriger Intensität können beide eine PTBS auslösen. Entscheidend ist dabei nicht nur die objektive Schwere des Ereignisses, sondern insbesondere die individuelle Verarbeitung und Bewertung der Situation durch die betroffene Person.




Was Betroffenen helfen kann

Eine posttraumatische Belastungsstörung kann sehr belastend sein und sich oft überwältigend anfühlen. Wichtig ist jedoch: Die Reaktionen auf ein Trauma sind verständlich und keine „Überreaktion“, sondern Ausdruck einer starken psychischen Belastung. Viele Betroffene erleben im Laufe der Zeit, dass sich Symptome verändern oder mit Unterstützung besser bewältigen lassen. PTBS ist gut behandelbar, auch wenn der Weg dorthin individuell unterschiedlich aussieht und Zeit braucht.


Hilfreich kann es sein, sich Unterstützung zu holen – etwa durch Gespräche mit vertrauten Personen oder professionelle Hilfe. Auch kleine Stabilisierung im Alltag, wie feste Strukturen oder bewusste Ruhephasen, können entlastend wirken. Entscheidend ist, sich selbst nicht unter Druck zu setzen. Heilung verläuft selten linear, und Rückschritte sind kein Zeichen des Scheiterns, sondern Teil des Prozesses.


Umgang mit Betroffenen: worauf es ankommt

Die subjektive Einschätzung des Erfahrenen ist zentral für das Verständnis dafür, wie es zur posttraumatischen Belastungsstörung kommen konnte. Aus genau diesem Grund ist Verständnis und Empathie die Basis für den Umgang mit PTBS-Betroffenen. Wenn Außenstehende die Erlebnisse relativieren oder kleinreden, kann das dazu führen, dass Betroffene sich missverstanden fühlen und sich weiter zurückziehen. Auch wenn es für Nicht-Betroffene nicht nachvollziehbar sein mag oder sie mit der Situation anders umgegangen wären, ist das kein Grund dafür, PTBS in ihrem vollen Ausmaß nicht ernst zu nehmen. Erst wenn wir Betroffenen wirklich zuhören, können wir ihnen auch dabei helfen, wieder einen Weg zurück ins alltägliche Leben zu finden.


Hilfreich ist dabei vor allem ein respektvoller und geduldiger Umgang. Dazu gehört, Erfahrungen nicht zu bewerten oder in Frage zu stellen, sondern sie zunächst anzunehmen, wie sie von der betroffenen Person geschildert werden. Ebenso wichtig ist es, keine vorschnellen Ratschläge zu geben oder Lösungen „überzustülpen“, sondern eher zu fragen, was in der jeweiligen Situation unterstützt oder entlasten kann. Auch das Akzeptieren von Grenzen – etwa wenn über bestimmte Themen nicht gesprochen werden möchte – ist ein zentraler Bestandteil eines unterstützenden Umgangs.

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