Warum fühlt sich ein Edible-High anders an?
Früher gab es vor allem Joints, mittlerweile sind die Darreichungsformen von Cannabis deutlich vielfältiger. Wer aber glaubt, dass ein Cannabis-Gummibärchen genau den gleichen Effekt wie etwas zu rauchen hat, könnte in eine Falle tappen.
Wer Cannabis als Joint oder beim Vapen konsumiert, kennt den Effekt bestens: das THC gelangt über die Lunge direkt ins Blut und erreicht von dort aus ziemlich schnell das Gehirn. Bereits nach wenigen Minuten kann eine Wirkung erstmals spürbar sein. Ganz anders sieht es bei Edibles aus. Immerhin haben diese einen ganz anderen Weg zurückzulegen: Anders als beim Rauchen nimmt der Körper das THC nicht über die Lunge auf, sondern über den Verdauungstrakt. Von Magen und Darm gelangt es zunächst zur Leber, wo bereits ein Teil des Wirkstoffs verstoffwechselt wird, bevor er in den allgemeinen Blutkreislauf übergeht.
Klingt nach einem langen Weg? Ist es auch. Deshalb dauert es auch zwischen 30 und 90 Minuten, bis oral konsumiertes Cannabis erste Effekte zeigt. Wer das nicht weiß oder keine Geduld aufbringt, kann genau an dieser Stelle ein üblen Fehler begehen. Denn in diesem Fall einfach nachzulegen, „weil nichts passiert“, kann böse Folgen haben.
Die Leber baut THC um
Doch der Weg über die Leber dauert nicht nur länger, sondern hat auch chemisch eine andere Wirkung. Bei der so genannten First-Pass-Metabolisierung wird ein Teil des aufgenommenen THC bereits beim ersten Durchgang durch die Leber verstoffwechselt. Dabei entsteht unter anderem 11-Hydroxy-THC (11-OH-THC).
Der Metabolit selbst ist ebenfalls psychoaktiv, was die Wirkung nach der oralen THC-Aufnahme enorm beeinflusst. Allerdings kann man nicht behaupten, dass „mehr 11-OH-THC mit einem stärkerem High gleichzusetzen ist“. Um zu wissen, wie der Stoff wirkt, lohnt sich ein genauerer Blick.
Vereinfacht gesagt, lässt es sich so erklären: Beim Inhalieren wandert THC von der Lunge ins Blut und direkt ins Gehirn. Bei Edibles geht das ganze über Magen und Darm, dann weiter in die Leber, von dort aus ins Blut und dann eben erst ins Gehirn. Und genau dieser Umweg macht am Ende den Unterschied in der (verzögerten) Wirkung aus.
Das Edible-High kann sich anders anfühlen
Immerhin spielen beim High mehrere Faktoren eine Rolle. Neben THC und seinen Stoffwechselprodukten beeinflussen, unter anderem die Dosis, die individuelle Empfindlichkeit, die Erfahrung mit Cannabis, der Stoffwechsel sowie die Zusammensetzung einer Mahlzeit, die Wirkung.
Und noch etwas hat Einfluss darauf, wie sich das High anfühlt. Denn die Aufnahme über den Verdauungstrakt läuft bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich ab. Aus diesem Grund kann die Reaktion auf die gleiche Menge komplett anders ausfallen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber nicht, dass ein Edible automatisch stärker ist. Es wirkt einfach differenzierter.
Warum hält die Wirkung bei Edibles länger an?
Nur eines lässt sich fast immer voraussagen: Beim Genuss von Edibles hat man länger etwas davon - auch wenn man auf die Wirkung erst etwas warten muss. Denn durch die orale Einnahme wird THC langsamer aufgenommen und verstoffwechselt. Genau aus diesem Grund kann die Wirkung auch noch mehrere Stunden nach dem Genuss anhalten. Wie lange lässt sich pauschal nicht sagen. Kurz gefasst kann man sagen, dass die Unterschiede auch hier abhängig vom Körper, dem Stoffwechsel und der Zubereitung der Edibles sind. Nur eine sollte man im Kopf behalten: auch wenn man das Gefühl hat, dass nichts passiert, wird die Wirkung irgendwann einsetzen. Und dann länger bleiben, als man es vielleicht erwartet hätte.
Die Edible-Falle: zu früh nachlegen
Die verzögerte Wirkung macht Edibles besonders tückisch. Wer ungeduldig wird und nachlegt, weil sich noch kein Effekt bemerkbar macht, riskiert, die Gesamtmenge zu unterschätzen. Sobald beide Portionen ihre Wirkung entfalten, kann das High deutlich intensiver ausfallen als beabsichtigt.
Was tun, wenn's zu viel war?
So viel sei gesagt: Ein zu starkes Cannabis-High kann unangenehm werden. Der Körper kann mit Unruhe, Angst, Schwindel oder Herzklopfen auf die zu hohe Dosis reagieren. Wichtig ist in diesem Fall, nichts weiter zu sich zu nehmen, die Ruhe zu bewahren und sich in eine vertraute und ruhige Umgebung zu begeben. Wer mit Alkohol oder anderen Drogen versucht, die Situation zu „retten“ oder „auszugleichen“, der verschlimmert das Ganze nur noch. Bei starken oder ungewöhnlichen Beschwerden ist es wichtig, sich zeitnah medizinische Hilfe zu holen.
Auch wenn Edibles in Genussform präsentiert werden, sollte man bei der Einnahme Vorsicht und vor allem Geduld walten lassen. Um ein schönes und positives High zu erleben.