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Mehr Aufmerksamkeit, mehr Aufklärung, mehr Debatten – und trotzdem bleibt Frauengesundheit im Alltag oft ein blinder Fleck. Und das nervt gewaltig!
Der 28. Mai steht ganz im Zeichen der Frauengesundheit. Ein Tag, der Aufmerksamkeit auf ein Thema lenken soll, dem eigentlich eine viel größere Bedeutung zusteht. Immerhin leben in Deutschland aktuell rund 42,3 Millionen Frauen. Damit ist der Anteil der weiblichen Bevölkerung um etwa eine Million größer. Und doch haben Frauen – nicht nur in Sachen Gesundheit – einen enormen Nachteil. “Frauengesundheit gilt immer noch als Nischenthema, auch wenn es 50 % unserer Bevölkerung betrifft”, mahnen Radiologin Dr. med Chressen Regier und Journalistin Hanne Seidl an, die gemeinsam die Frauenplattform “Disco Östrogeni” gegründet haben.
Trotz wachsender Sensibilität und gesellschaftlicher Debatten ist die Frauengesundheit im Gesundheitssystem immer nicht gleichwertig integriert. Und das liegt nicht an einzelnen Fehlentscheidungen, sondern an strukturellen Defiziten.
Das liegt vor allem daran, dass die Medizin historisch gesehen alles andere als neutral ist. Auch wenn sie sich gerne so darstellt. Über Jahrzehnte hinweg basierten Studien, Leitlinien und klinische Tests überwiegend auf männlichen Körpern. Frauen galten als Abweichung, da sie hormonell komplexer, schwerer zu standardisieren und weniger berechenbar waren. Die Folge liegt auf der Hand. Was als typisch eingeordnet wird, ist häufig über den Mann definiert. Und das zeigt sich leider bis heute.
Symptome von Herzinfarkten werden bei Frauen häufiger übersehen, weil sie sich anders äußern als bei Männern. Schmerz wird anders bewertet. Nebenwirkungen von Medikamenten treten bei Frauen teils häufiger auf – wurden aber lange nicht systematisch erfasst. Das Problem ist also nicht fehlendes Wissen, sondern die Informationen, auf denen das Wissen basiert.
Ein besonders kritischer Punkt ist dabei die Diagnostik. Dass sich viele Erkrankungen bei Frauen anders äußern, als es in klassischen Lehrbüchern beschrieben ist. Gleichzeitig sind genau diese Lehrbücher oft die Grundlage ärztlicher Entscheidungen. Das führt dazu, dass Symptome nicht immer richtig eingeordnet werden. Beschwerden werden bagatellisiert, psychologisiert oder schlicht übersehen. “Viele Symptome, wie zum Beispiel starke Regelschmerzen, gelten als ‘normal’ für Frauen”, erklären Dr. med. Chressen Regier und Hanne Seidl im Interview mit DrAnsay. “Diese Beschwerden werden dem Arzt daher häufig gar nicht geschildert. Gleichzeitig gibt es einen gewissen Bias unter den Ärzten, die Schilderungen von weiblichen Patienten zu bagatellisieren oder vorschnell als psychisch abzutun.”
Für Betroffene bedeutet das oft einen langen Weg bis zur richtigen Diagnose – mit wiederholten Praxisbesuchen, Unsicherheit und dem Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Und das ist leider kein individuelles Problem, sondern ein systemisches. Denn das Gesundheitssystem ist nicht darauf ausgelegt, diese Unterschiede konsequent mitzudenken.
Das heißt selbstverständlich nicht, dass in den letzten Jahren in Sachen Frauengesundheit nichts passiert ist. Geschlechtersensible Forschung gewinnt an Bedeutung, Themen wie Endometriose, Zyklus-Gesundheit oder hormonelle Zusammenhänge werden sichtbarer. Doch Fortschritt bedeutet nicht automatisch flächendeckende Veränderung.
Zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und medizinischer Praxis liegt ein System, bei dem oft Entwicklungen verloren gehen oder nur verzögert ankommen. Die Leitlinien werden also angepasst, aber nicht überall umgesetzt. Weil das Wissen zwar vorhanden, aber nicht gleich verteilt ist. Und Patientinnen, viel zu oft noch immer selbst die Rolle der „Übersetzerinnen“ übernehmen müssen.
Und trotzdem liegt die zentrale Schwäche noch tiefer verborgen. Weil sich das Gesundheitssystem in vielen Bereichen nicht konsequent an Patientinnen orientiert und die Unterschiede zwischen den Geschlechtern weiterhin hinten angestellt werden.
Das System arbeitet in Zuständigkeiten statt in Zusammenhängen und reagiert oft erst dann, wenn Probleme bereits deutliche Auswirkungen haben. Das wird gerade beim Thema Frauengesundheit sichtbar. Denn viele Themen werden nur in Fachbereichen gesprochen, fallen sonst aber durchs Raster oder werden nicht ganzheitlich betrachtet.
Die zunehmende Digitalisierung ist dabei Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite bringt sie Bewegung ins System, auf der anderen Seite löst sie strukturelle Probleme nicht automatisch.
Telemedizinische Angebote können den Zugang erleichtern, erste Einschätzungen ermöglichen und Prozesse beschleunigen. Gerade bei sensiblen oder lange ignorierten Beschwerden kann das eine wichtige Rolle spielen. Doch auch hier zeigt sich ein bekanntes Muster:Digitale Geschwindigkeit trifft auf ein System, das im Hintergrund nicht ausreichend vernetzt ist. Das bedeutet, dass Informationen nicht nahtlos weitergegeben werden, Prozesse an Schnittstellen abbrechen und die Verantwortung nicht klar verteilt ist. Für Patientinnen wird der Einstieg also leichter, der Weg zur tatsächlichen Lösung bleibt aber weiterhin komplex.
Dabei liegt genau im Zusammenspiel von digitaler und klassischer Medizin ein großes Potenzial. Telemedizin kann helfen, Beschwerden früh zu strukturieren, erste Einschätzungen zu geben und Orientierung zu schaffen – gerade in einem Bereich, in dem Symptome häufig lange nicht ernst genommen werden.
Allerdings ist die weiterführende Versorgung weiterhin auf persönliche, interdisziplinäre Betreuung angewiesen - vor allem bei komplexen oder chronischen Erkrankungen. Und genau dieses Zusammenspiel funktioniert bislang nur eingeschränkt, da die einzelnen Elemente nicht ausreichend miteinander verbunden sind, wie auch Dr. med Chressen Regier und Hanne Seidl betonen. “Telemedizinische Angebote senken die Hürde für eine Konsultation - beispielsweise auch für schambehaftete Themen - und können die Versorgungsengpässe in ländlichen Regionen vermindern”, erklären die Expertinnen für Frauengesundheit, fügen aber im gleichen Atemzug hinzu: “Wichtig ist dennoch die Anbindung an ärztliche Kollegen vor Ort, die wichtige Teile von Diagnostik und Behandlung wie die körperliche Untersuchung leisten können.”
Genau deshalb ist Umdenken angesagt. Was bei der Diskussion um Frauengesundheit oft auf einzelne Maßnahmen beschränkt ist: mehr Forschung, bessere Aufklärung, gezielte Programme.
Obwohl all diese Punkte natürlich wichtig sind, liegt das Problem nicht nur an den fehlenden Bausteinen, sondern an einem System, das insgesamt funktionieren muss. Und das lässt sich nicht in Einzelmaßnahmen reparieren, sondern durch gezielt gesetzte Verbindungen und Wissen. Von Frauen für Frauen.
Für die Zukunft der Frauengesundheit ist es also wichtig, sich nicht an einzelnen Lösungen fest zubeißen, sondern die bestehenden Strukturen sinnvoll miteinander zu verknüpfen.
Die Forschung muss schneller in die Praxis kommen, geschlechtersensibel gedacht werden, und digitale und analoge Versorgungen müssen ineinander greifen. Vor allem aber ist es wichtig, dass ich die Perspektive ändert. Dass der vermeintliche „Standard-Patient“ nicht als Basis für alles gesehen wird, sondern die Vielfalt realer Patientinnen realisiert und beachtet wird. Denn am Ende entscheidet nicht nur die Aufmerksamkeit über gute Versorgung, sondern ein System, das funktioniert.
Mehr Aufmerksamkeit, mehr Aufklärung, mehr Debatten – und trotzdem bleibt Frauengesundheit im Alltag oft ein blinder Fleck. Und das nervt gewaltig!
Der 28. Mai steht ganz im Zeichen der Frauengesundheit. Ein Tag, der Aufmerksamkeit auf ein Thema lenken soll, dem eigentlich eine viel größere Bedeutung zusteht. Immerhin leben in Deutschland aktuell rund 42,3 Millionen Frauen. Damit ist der Anteil der weiblichen Bevölkerung um etwa eine Million größer. Und doch haben Frauen – nicht nur in Sachen Gesundheit – einen enormen Nachteil. “Frauengesundheit gilt immer noch als Nischenthema, auch wenn es 50 % unserer Bevölkerung betrifft”, mahnen Radiologin Dr. med Chressen Regier und Journalistin Hanne Seidl an, die gemeinsam die Frauenplattform “Disco Östrogeni” gegründet haben.
Trotz wachsender Sensibilität und gesellschaftlicher Debatten ist die Frauengesundheit im Gesundheitssystem immer nicht gleichwertig integriert. Und das liegt nicht an einzelnen Fehlentscheidungen, sondern an strukturellen Defiziten.
Das liegt vor allem daran, dass die Medizin historisch gesehen alles andere als neutral ist. Auch wenn sie sich gerne so darstellt. Über Jahrzehnte hinweg basierten Studien, Leitlinien und klinische Tests überwiegend auf männlichen Körpern. Frauen galten als Abweichung, da sie hormonell komplexer, schwerer zu standardisieren und weniger berechenbar waren. Die Folge liegt auf der Hand. Was als typisch eingeordnet wird, ist häufig über den Mann definiert. Und das zeigt sich leider bis heute.
Symptome von Herzinfarkten werden bei Frauen häufiger übersehen, weil sie sich anders äußern als bei Männern. Schmerz wird anders bewertet. Nebenwirkungen von Medikamenten treten bei Frauen teils häufiger auf – wurden aber lange nicht systematisch erfasst. Das Problem ist also nicht fehlendes Wissen, sondern die Informationen, auf denen das Wissen basiert.
Ein besonders kritischer Punkt ist dabei die Diagnostik. Dass sich viele Erkrankungen bei Frauen anders äußern, als es in klassischen Lehrbüchern beschrieben ist. Gleichzeitig sind genau diese Lehrbücher oft die Grundlage ärztlicher Entscheidungen. Das führt dazu, dass Symptome nicht immer richtig eingeordnet werden. Beschwerden werden bagatellisiert, psychologisiert oder schlicht übersehen. “Viele Symptome, wie zum Beispiel starke Regelschmerzen, gelten als ‘normal’ für Frauen”, erklären Dr. med. Chressen Regier und Hanne Seidl im Interview mit DrAnsay. “Diese Beschwerden werden dem Arzt daher häufig gar nicht geschildert. Gleichzeitig gibt es einen gewissen Bias unter den Ärzten, die Schilderungen von weiblichen Patienten zu bagatellisieren oder vorschnell als psychisch abzutun.”
Für Betroffene bedeutet das oft einen langen Weg bis zur richtigen Diagnose – mit wiederholten Praxisbesuchen, Unsicherheit und dem Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Und das ist leider kein individuelles Problem, sondern ein systemisches. Denn das Gesundheitssystem ist nicht darauf ausgelegt, diese Unterschiede konsequent mitzudenken.
Das heißt selbstverständlich nicht, dass in den letzten Jahren in Sachen Frauengesundheit nichts passiert ist. Geschlechtersensible Forschung gewinnt an Bedeutung, Themen wie Endometriose, Zyklus-Gesundheit oder hormonelle Zusammenhänge werden sichtbarer. Doch Fortschritt bedeutet nicht automatisch flächendeckende Veränderung.
Zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und medizinischer Praxis liegt ein System, bei dem oft Entwicklungen verloren gehen oder nur verzögert ankommen. Die Leitlinien werden also angepasst, aber nicht überall umgesetzt. Weil das Wissen zwar vorhanden, aber nicht gleich verteilt ist. Und Patientinnen, viel zu oft noch immer selbst die Rolle der „Übersetzerinnen“ übernehmen müssen.
Und trotzdem liegt die zentrale Schwäche noch tiefer verborgen. Weil sich das Gesundheitssystem in vielen Bereichen nicht konsequent an Patientinnen orientiert und die Unterschiede zwischen den Geschlechtern weiterhin hinten angestellt werden.
Das System arbeitet in Zuständigkeiten statt in Zusammenhängen und reagiert oft erst dann, wenn Probleme bereits deutliche Auswirkungen haben. Das wird gerade beim Thema Frauengesundheit sichtbar. Denn viele Themen werden nur in Fachbereichen gesprochen, fallen sonst aber durchs Raster oder werden nicht ganzheitlich betrachtet.
Die zunehmende Digitalisierung ist dabei Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite bringt sie Bewegung ins System, auf der anderen Seite löst sie strukturelle Probleme nicht automatisch.
Telemedizinische Angebote können den Zugang erleichtern, erste Einschätzungen ermöglichen und Prozesse beschleunigen. Gerade bei sensiblen oder lange ignorierten Beschwerden kann das eine wichtige Rolle spielen. Doch auch hier zeigt sich ein bekanntes Muster:Digitale Geschwindigkeit trifft auf ein System, das im Hintergrund nicht ausreichend vernetzt ist. Das bedeutet, dass Informationen nicht nahtlos weitergegeben werden, Prozesse an Schnittstellen abbrechen und die Verantwortung nicht klar verteilt ist. Für Patientinnen wird der Einstieg also leichter, der Weg zur tatsächlichen Lösung bleibt aber weiterhin komplex.
Dabei liegt genau im Zusammenspiel von digitaler und klassischer Medizin ein großes Potenzial. Telemedizin kann helfen, Beschwerden früh zu strukturieren, erste Einschätzungen zu geben und Orientierung zu schaffen – gerade in einem Bereich, in dem Symptome häufig lange nicht ernst genommen werden.
Allerdings ist die weiterführende Versorgung weiterhin auf persönliche, interdisziplinäre Betreuung angewiesen - vor allem bei komplexen oder chronischen Erkrankungen. Und genau dieses Zusammenspiel funktioniert bislang nur eingeschränkt, da die einzelnen Elemente nicht ausreichend miteinander verbunden sind, wie auch Dr. med Chressen Regier und Hanne Seidl betonen. “Telemedizinische Angebote senken die Hürde für eine Konsultation - beispielsweise auch für schambehaftete Themen - und können die Versorgungsengpässe in ländlichen Regionen vermindern”, erklären die Expertinnen für Frauengesundheit, fügen aber im gleichen Atemzug hinzu: “Wichtig ist dennoch die Anbindung an ärztliche Kollegen vor Ort, die wichtige Teile von Diagnostik und Behandlung wie die körperliche Untersuchung leisten können.”
Genau deshalb ist Umdenken angesagt. Was bei der Diskussion um Frauengesundheit oft auf einzelne Maßnahmen beschränkt ist: mehr Forschung, bessere Aufklärung, gezielte Programme.
Obwohl all diese Punkte natürlich wichtig sind, liegt das Problem nicht nur an den fehlenden Bausteinen, sondern an einem System, das insgesamt funktionieren muss. Und das lässt sich nicht in Einzelmaßnahmen reparieren, sondern durch gezielt gesetzte Verbindungen und Wissen. Von Frauen für Frauen.
Für die Zukunft der Frauengesundheit ist es also wichtig, sich nicht an einzelnen Lösungen fest zubeißen, sondern die bestehenden Strukturen sinnvoll miteinander zu verknüpfen.
Die Forschung muss schneller in die Praxis kommen, geschlechtersensibel gedacht werden, und digitale und analoge Versorgungen müssen ineinander greifen. Vor allem aber ist es wichtig, dass ich die Perspektive ändert. Dass der vermeintliche „Standard-Patient“ nicht als Basis für alles gesehen wird, sondern die Vielfalt realer Patientinnen realisiert und beachtet wird. Denn am Ende entscheidet nicht nur die Aufmerksamkeit über gute Versorgung, sondern ein System, das funktioniert.